Wie weit muss eine Biene fliegen, um ein Glas Honig zu füllen?
Eine Frage, die nicht erst in "Frag doch mal die Maus" am 8. Mai 2010 zum ersten mal gestellt wurde. Genauso wenig wie die Antwort: etwa dreimal um die Erde, die man leicht auch bei mehreren Quellen findet.
Eine plausible Begründung für diese Zahl konnte ich bislang nicht finden, Hinweise nehme ich gerne entgegen.
Aber nehmen wir einmal an, es stimmt und nach 125000 km Flug hat eine Biene genug zusammen um daraus 500 g Honig zu machen. Was für eine Frage stellt sich dann dem ökologisch korrekten Weltbewohner von heute?
Natürlich wie es mit dem CO2 Ausstoß aussieht!
Man möchte doch Wissen, ob einem sein Honigbrot am morgen schon CO2-mäßig für den Tag disqualifiziert.
Zunächst muss man also wissen, wieviel CO2 eine Biene pro Kilometer produziert.
Dazu findet man eine Untersuchung[1] aus dem Jahre 1934. Daraus lesen wir, dass eine Biene (Gewicht 0,100 Gramm) pro Minute einen Sauerstoffverbrauch von 520 mm3 hat (bei 18°C). Eine andere Untersuchung[2] erlaubt die Umrechnung von Zeit auf die Entfernung: Eine Biene fliegt im Schnitt mit 29 km/h. Um 125000 km zu fliegen braucht sie 125000 km / 29 km/h = 4310 h = 258620 Minuten. In dieser Zeit benötigt sie 258620 min × 520 mm3 = 134482400 mm3 Sauerstoff. Umgerechnet in eine handlichere Einheit: 134,5 Liter Sauerstoff. Als letzten Schritt steht nun die Umrechnung in eine Menge an CO2 an. In 134,5 Liter befinden sich 134,5 l / 22,4 l/mol = 6.0 mol. Dies entspricht 6.0 mol × 44 g/mol = 264 g CO2.
Fazit: Eine Biene produziert zusammen mit einem Glas Honig etwa soviel CO2 wie ein Porsche 911 Carrera 4S Cabriolet auf einen Kilometer—der Durschnittshonigbrotesser wird sein Auto hingegen deutlich länger stehen lassen müssen um die Ökobilanz auszugleichen.
[1] J. Jongbloed und C. A. G. Wiersma, Der Stoffwechsel der Honigbiene während des Fliegens, Zeitschrift für vergleichende Physiologie, 21(34), 519–533 1934
[2] K. v. Frisch und M. Lindauer, Über die Fluggeschwindigkeit der Bienen und über ihre Richtungsweisung bei Seitenwind, Die Naturwissenschaften, 13(28), 377–385 1955
Danksagung: Ohne den unersättlichen Forscherdrang von Herrn Dr. Kaufmann und Herrn Kaindl wäre diese Erkenntnis weiterhin verborgen geblieben.
Nachtrag von Herrn Dr. K.:
Ergänzend könnte man höchstens hinzufügen, daß unter der Berücksichtigung einer Honigjahresweltpruduktion von 1268000 Tonnen sich der jährliche Ausstoß kultivierter Bienen, die ausschließlich der Honigproduktion die zum menschlichen Verzehr bestimmt ist auf folgende Rechnung erweitern ließ:
264 g CO2 pro 500 g Honig folgt:
528 g CO2 pro kg Honig, unter der Annahme, daß eine Tonne etwa 1000 kg entspricht führt die
Honigjahresweltpruduktion von 1268000 Tonnen auf den gigantische CO2 Wert von:
1268000 × 1000 × 0,528 kg CO2 = 669504000 kg CO2.
Wenn ein Porsche 911 Carrera 4S Cabriolet 263 g CO2 pro Kilometer ausstösst, kann man also
669504000 kg CO2 / 263 g CO2 / km = 2545642585 km fahren.
Der Erdradius beträgt etwa 12.700 km, daraus ergibt sich ein Umfang von 39878 km. Das bedeutet, daß ein Porsche 911 Carrera 4S Cabriolet etwa 63835 mal um die Erde fahren kann.
Fazit der Ergänzung: So schlimm ist der Porsche gar nicht.
noch ein Nachtrag [24. Mai 2010]:
Auch in New York ist nun die Bienenhaltung erlaubt. Mangels staatlicher Kontrolle kann über die Zahl der Bienenvölker in New York und den dadurch verursachten CO2-Ausstoß jedoch nur gemutmaßt werden.